Nach 15 Jahren in Köln, erschien es mir kaum möglich, dass ich Zürich eines Tages auch als meine Heimat betrachten könnte.
Vom ersten Tag an habe ich hier lange Streifzüge durch die Quartiere gemacht, bin sie abgelaufen und habe meine Liebe für Zürich entdeckt. Ich beziehe mich dabei nicht auf die bekannten Prachtbauten und Touristenhotspots, sondern die kleinen Plätze und Orte des täglichen Lebens. Ich liebe die schlichte Eleganz der Badi-Architektur, die flachen Dächer und filigranen Konstruktionen, ebenso die Tramhaltestellen im gleichen Stil mit gut erhaltenen Holzsitzbänken, die mehr an ein Schiffsdeck als an einen ÖV-Halt erinnern, dazu die monströsen Betonarchitekturen, wie das Kornhaus oder die Hardbrücke, die sich wie ein Strom heisser Lava, den Weg durch die Stadt planiert hat. Und beim genauen Hinsehen, entdeckt man an den Unterseiten der gewendelten Treppenaufgänge am Escher-Wyss-Platz eine sehr aufwändige Betonschalung, die mich vollkommen entzückt.
Ich liebe auch die klare Limmat, die sich durch die Stadt schlängelt und deren Ufer an jeder Stelle für die Allgemeinheit zugänglich ist. Es gibt die Flussbadis, die sich nach einem Arbeitstag in der Hitze des Sommers noch zur Abkühlung anbieten - gratis, natürlich. Auch ohne Badestelle springen die Zürcher an jeder Stelle in Fluss oder See und ist der nicht in der Nähe, hocken sich die Leute einfach auf die Ränder der Trinkwasserbrunnen und halten zumindest die Füsse ins Wasser. Wo gibt es das schon, dass man am Morgen neben der Lunchbox vorsichtshalber noch die Badehose einpackt?
Im Gegensatz dazu kommt der Winter oft hässlich, grau und neblig daher. Wenn das üppige Grün dem Herbst zum Opfer gefallen ist, wird die Stadt ungemütlich. Aber selbst das gefällt mir. Den Kontrast braucht es - sonst ist es zu schön, um dauerhaft erträglich zu sein.
So auch die oft verblüffende Kombination von alt und neu. Selbst im Zentrum, wo der qm Boden mit Gold aufgewogen wird, existieren noch kleine Einfamilienhäuser oder uralte Scheunen. Es gibt modernste, auf Effizienz optimierte Architektur und dennoch erlaubt man sich hier und da, den Erhalt des Alten, in die Jahre gekommenen und Kleinteiligen.
Im Laufe der Jahre habe ich unzählige Fotos von der Stadt gemacht, die mir als Grundlage für die Zürich-Serie dienen.
Wenn eine Person ein Bild aus dieser Serie kauft, dann fragt er mich nicht, was ich mir dabei gedacht habe, sondern erzählt mir stattdessen, was sie mit diesem Bild verbindet. Ob das der vielgelaufene Nachhauseweg vom Club war, oder der Park, in dem man täglich Mittagspause gemacht hat - jeder hat seine eigene Geschichte zu den Ecken dieser Stadt und sind sie auch alle unterschiedlich, so verbinden sie uns dennoch. Die eigene Identität und der Ort sind aneinander gekoppelt - man spürt entweder Zugehörigkeit oder schmerzliches Fehl-am-Platz-Sein in allen erdenklichen Abstufungen.
Alle Zeichnungen Tusche, Acryl und Stifte auf Papier, 30x40cm
à 450 CHF gerahmt